30.03.2011, 09:25 Uhr
Früher galt es als fehlerhaft, heute ist es der große Trend: Möbel aus Holz mit dicken Astlöchern, Rissen, Rinde und vor allem einer auffälligen Maserung. Gerade unbehandelt wirkende Holzmöbel gelten als der neueste Schick. So nutzt das Unternehmen L'Artisan ein von Fäule durchlöchertes Holz für einen Couchtisch - Risse inklusive. Die Möbelwerke Voglauer oder Hartmann bürsten Oberflächen, so dass sie rau und abgenutzt wirken. Erleben Sie den aktuellen Holztrend auch in unserer Foto-Show.
Diese Rückkehr zur Natur war notwendig, sagt Trendexpertin Gabriela Kaiser. "Das Design ist soweit vorgedrungen, dass nichts mehr zu holen war. Die Oberflächen sind glatt, die Schränke haben keine Griffe mehr. Man muss nun weg von dem Makellosen." Die Rückkehr zu Naturmaterialien in der Einrichtungsbranche ist nicht neu. Jetzt wird sie laut Kaiser aber auf die Spitze getrieben.
Wenn draußen alles unsicher ist, müssen die eigenen vier Wände zum gemütlichen Rückzugsort mit Gewohntem aus Omas Wohnzimmer werden. "Die Möbel sehen oftmals aus, wie aus dem Wald herausgetragen und im Wohnraum aufgestellt", sagt sie. Markus Wiemann, Geschäftsführer des gleichnamigen Bettenherstellers, stimmt zu: "Das ist das Gefühl von Altbewährtem." Bei Holz und gerade auch Massivmöbeln hätte man in den eigenen Wänden schlichtweg "länger etwas von dem Gefühl, heimisch zu sein".
Schon länger wurden Massivholzmöbel und Möbel mit einer Folienverkleidung in Holzoptik verkauft. Doch erst jetzt wird dies zu einem echten Trend. Das geht sogar soweit, dass Oberflächen natürlicher gestaltet werden, als es die Natur vorsah. So behandelt der Möbelhersteller Deelmann Tischplatten mit Sandstrahl, Voglauer verwendet Schubladenfronten, die wie frisch gesägt aussehen. Wer jetzt erwartet, Eiche rustikal zu sehen, wird enttäuscht. Das eigentlich sanft-braune Holz wird naturbelassen und nicht mehr dunkel gebeizt. Daneben sind Nussbaum sowie Buche, Ahorn, Esche und Erle im Angebot.
Wem das zu viel Gemütlichkeit ist, kann Holz mit glänzend lackierten, farbigen Fronten kombinieren wie bei den Küchenherstellern Nobilia oder Paidi. "So eine weiße Küche wirkt sehr nüchtern", sagt Oliver Streit von der Nobilia-Geschäftsführung. "Wir versuchen daher diese mit Flächen in Naturfarben aufzulockern." Zusätzlich verschmelzen Küchen immer mehr mit dem Wohnraum.
Neben den braunen Holzmöbeln wie TV-Wand, Kommode und Wohnzimmertisch werden die Sitzecke und das Sofa zu Farbtupfern im Wohnraum. Zu den beliebten Farben Schwarz, Grau und vor allem Weiß sind zunehmend auffällige Bezüge in hellem Blau zu sehen. Wittmann wiederum bezieht Stühle mit hellrotem Stoff. Trend ist also, was gefällt!
Quelle: dpa-tmn
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