Autor: Carsten Linnhoff; rw
Nach Experten-Meinung reichen drei Messer in der Küche völlig aus. (Quelle: imago)
Das Angebot an Messern für die Küche ist riesengroß. Für jeden Einsatzzweck bietet die Industrie ein anderes, ganz spezielles Produkt an. In der Praxis ist ein riesiges Messer-Sortiment im Privathaushalt aber meist überflüssig. Experten sind sich einig: Für den normalen Hausgebrauch reichen drei scharfe Messer völlig aus. Stumpfe Messer hingegen sind ein Ärgernis und außerdem gefährlich. Wie Sie Ihre Messer schärfen und zehn Tipps gegen stumpfe Messer.
Zur Koch-Grundausstattung braucht es nicht mehr als drei Messer: Das eine ist ein Kochmesser mit einer rund 20 Zentimeter langen Klinge, das andere ein Gemüsemesser und das dritte ein Schälmesser, sagt Ralf Jahn, der Messer-Kurse für den Verband der Köche Deutschlands gibt.
Sogar für Jens-Heinrich Beckmann, den Geschäftsführer des Industrieverbandes Schneid- und Haushaltswaren (IVSH) in Solingen, müssen es nicht mehr sein, obwohl er als Verbandfunktionär eigentlich ein Interesse an möglichst großen Messer-Sortimenten in deutschen Haushalten haben müsste. Ein Gemüsemesser, ein Spickmesser mit zwölf Zentimeter langer Klinge und ein Kochmesser, dessen Klinge breit genug ist, um Fleisch, Fisch und Gemüse zu zerteilen – mehr braucht es laut Beckmann in der Regel nicht.
"Frauen bevorzugen beim Kochmesser eine Klingenlänge von 15 Zentimetern, während Männer eher 20 Zentimeter wählen", weiß Beckmann. Das Gemüsemesser wird auch als Handschneidemesser bezeichnet, weil das Schnittgut, etwa beim Kartoffel- oder Äpfelschälen, dabei in der Hand liegt. Der Gegenpart dazu ist das Spickmesser, mit dem Produkte geschnitten werden, die auf einem Schneidbrett liegen. Im Alltag braucht man meist nicht mehr Messer, findet Uwe Wielsch vom "Netzwerk Haushalt". Er selbst benutze je ein Koch- und Gemüsemesser sowie ein Universalmesser mit einer Klingenlänge von zwölf bis 15 Zentimetern.
Doch ambitionierte Hobbyköche belassen es meist nicht bei drei Messern, sie wollen einen ganzen Messerblock. "Für den Hobbykoch spielen die Emotionen eine Rolle. Und so gibt es noch Schinkenmesser, Filetiermesser und spezielle Gemüsemesser und so weiter. Profis brauchen sie aber nicht", erläutert Beckmann. Hilfreich seien manche der Spezial-Messer aber doch.
So könne man ruhig ein kleines Schälmesser mit einer rund acht Zentimeter langen Klinge im Messerblock oder der Küchenschublade haben, empfiehlt der Haushaltswarenexperte. "Es hat eine gebogene Klinge, um den Schnitt leichter durchführen zu können. Und auch ein Messer mit Sägeschliff kann zumindest in das erweiterte Sortiment." In der kleinen Variante werden damit Tomaten geschnitten, in der großen Brotlaibe. Ralf Jahn empfiehlt zudem das Ausbein-Messer zum Ablösen von Knochen.
Beim Kauf eines Messers sollte der Verbraucher Gefühl und Auge einsetzen, um Qualitätsprodukte zu erkennen. "Der Preis sagt längst nichts mehr über die Güte aus. Die Globalisierung hat uns schlechte preiswerte, aber auch gute preiswerte Produkte gebracht", sagt Jahn. Für weniger als 35 Euro sei eine solide Grundausstattung Beckmann zufolge aber nicht zu bekommen.
Und auch Uwe Wielsch sagt: "So ein Messer kauft man sich für das Leben. Hört sich geschwollen an, ist aber so." Er rät zu einer guten Grundausstattung im Preisbereich von 150 bis 250 Euro.
Jahn, der in Solingen die Schärfschule Schnittkultur gegründet hat, empfiehlt den Gang zu mehreren Fachhändlern. "Nehmen Sie das Messer in die Hand. Es sollte sich gut anfühlen und nicht nach vorne oder hinten ausschlagen." Danach sollte man die Verarbeitung von Griff, Nieten und Klinge prüfen.
Der Griff sollte gut in der Hand liegen, um ein Abrutschen beim Schneiden zu vermeiden. "Die Übergänge vom Griff zur Klinge müssen fugenlos und die Nieten so verarbeitet sein, dass sie in Einheit mit der Oberfläche absolut glatt sind", erklärt Beckmann. Das erleichtere die Reinigung der Messer.
"Entscheidend ist auch die Klingengeometrie. Bei Messern mit breitem Rücken, also der Schneiden-Gegenseite, hat der Hersteller zumindest nicht am Material gespart", ergänzt der Experte. Als weiterer Kniff helfe bei der Auswahl ein genauer Blick auf den Schliff der Klinge. "Ist der Schneidenverlauf gleichmäßig und erhaben? Gibt es Beulen? Das kann jeder testen, indem er das Messer hinlegt und guckt, ob sich das Licht der Deckenlampe gleichmäßig spiegelt", erläutert Jahn.
Als Geschenk sind Messer übrigens nur bedingt geeignet. Ein alter Aberglaube besagt, dass es Unglück bringt, Messer zu verschenken. Es heißt, Messer als Präsent würden die Freundschaft zwischen Schenker und Beschenktem zerschneiden. Doch auch ohne Hang zum Esoterischen gibt es beim Verschenken von Messern Probleme: Denn eigentlich sollten Qualitätsmesser vor dem Kauf von demjenigen getestet werden, der sie nachher auch verwendet.
Qualitätsmesser gehören nach Meinung der Experten nicht in die Spülmaschine – auch wenn die meisten Hersteller ihren Produkten Spülmaschinentauglichkeit bescheinigen. Stattdessen muss man selbst Hand anlegen. "Möglichst schnell nach dem Kochen das Messer unter fließendem, warmen Wasser mit etwas Spüli abwaschen. Das Umfeld in der Spülmaschine mit Reiniger und Salzen ist einfach zu aggressiv", warnt Jahn.
"Schlimmer noch sind Essensreste, die längere Zeit an der Klinge haften und zu Lochfraß führen. Die Spülmaschine wird ja nicht immer sofort angestellt." Beckmann verweist zudem auf die Physik der Materialien: "Griff und Klinge reagieren in der Spülmaschine unterschiedlich auf die Erwärmung." Das führe zu Verfärbungen und Spalten am Übergang zwischen Klinge und Griff.
Auch die beste Klinge nutzt sich mit der Zeit ab und wird stumpf. Solche Messer können mit einem Wetzstab sowie Diamant- oder Keramik-Schärfsteinen nachgeschärft werden. Uwe Wielsch bevorzugt den Schleifstein: "Ich habe einen Belgischen Brocken, der hatte schon bei den alten Römern einen sehr guten Ruf." Für all jene, die keinen Schleifstein haben, hat der Profi einen cleveren Tipp parat: Als Ersatz könne man auch den unlasierten Bodenrand eines umgedrehten Tellers benutzen. Weitere scharfe Tipps gegen stumpfe Messer haben wir für Sie zusammengestellt.
Quelle: zuhause.de, dpa-tmn
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