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Lüftungsanlage einbauen und nachrüsten: Das sollte man wissen

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Lüftungsanlagen beugen Schimmel vor

Lüftungsanlage im Privathaus

Lüftungsanlage im Privathaus

Damit kann man sich ein Stoß- und Querlüften sparen.


Neubauten werden immer energieeffizienter. Damit im Winter möglichst wenig wertvolle Wärme entweicht, werden Dach und Fassade dick gedämmt sowie alle Fenster und Türen abgedichtet. Der Nachteil ist, dass in vielen modernen Häusern kein ausreichender Luftaustausch stattfindet. Wird nicht regelmäßig gelüftet, droht Schimmel. Mit einer Lüftungsanlage ist man auf der sicheren Seite und verbessert zusätzlich das Raumklima. Doch welches Lüftungssystem ist für wen geeignet? Das sollten Sie über Lüftungsanlagen wissen.

Ekelige schwarze Schimmelflecken ziehen sich die Wand entlang: Das passiert selbst in Neubauten häufiger als man denkt. Oft ist das Problem kein Baumangel wie etwa eine Kältebrücke, sondern das Resultat einer schlechten Belüftung. Immerhin verursacht eine vierköpfige Familie pro Tag acht bis elf Liter Feuchtigkeit durch Atmen, Kochen, Duschen, Waschen. Wenn die feuchte Luft im Raum nicht regelmäßig entweichen kann, durchfeuchten auf Dauer die Wände, und es bildet sich Schimmelpilz.

Gekippte Fenster nicht die beste Lösung

Für den Luftaustausch das Fenster zu kippen, ist keine gute Lösung. Dadurch entweicht unnötig viel Wärme. Das lässt nicht nur den Energieverbrauch steigen, sondern kühlt auch die Wände stark aus. An den kalten Wänden schlägt sich die Feuchtigkeit nieder und bietet Schimmel ideale Bedingungen. "Am besten dreimal täglich sollte auch im Neubau und bei sanierten Gebäuden durch geöffnete Fenster stoßgelüftet werden", rät daher Christian Stolte von der Deutschen Energie-Agentur (dena) in Berlin.

Keine Zeit für ausreichende Lüftung

Gerade für Berufstätige ist Lüften in dieser Häufigkeit kaum umzusetzen. Für sie können Lüftungsanlagen eine Lösung sein, die automatisch regelmäßig die Luft im Raum austauschen. "Lüftungsanlagen sind in gut gedämmten Neubauten und energetisch sanierten Altbauten eine sinnvolle Alternative zur klassischen Fensterlüftung", findet Michael Dick von der Energieagentur Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf. Sie sorgen für eine gleichbleibend hohe Qualität der Luft und führen zudem Schadstoffe ab. Effektiv arbeiten Lüftungsanlagen aber nur in einem sehr gut abgedichteten Haus, sagt Stolte.

Zentrale oder dezentrale Lüftungsanlage?

Die Anlagen gibt es in verschiedenen Ausführungen. "Eine optimale Lösung bieten zentrale Lüftungsanlagen", erklärt Dick. Sie ziehen mit Hilfe von Ventilatoren die verbrauchte Luft aus Küche, Bad oder Toiletten ab. Diese Räume seien am stärksten durch Gerüche und Luftfeuchtigkeit belastet. Neue Außenluft ströme über Durchlässe in Wohn- und Schlafräumen nach. Auf diese Weise wird die Luft gleich in mehreren Räumen getauscht. Klug ist es, die Lüftungsanlage schon in der Entwurfsphase des Neubaus zu planen. Die Montagekosten halten sich in Grenzen, wenn die Lüftungsrohre gleich im Rohbau in den Estrich oder Beton eingelassen werden.

Laut dena liegen die Kosten einer zentralen Abluftanlage in einem Einfamilienhaus bei etwa 25 bis 45 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. Bei einer Fläche von 150 Quadratmetern entspricht das Kosten von 3750 bis 6750 Euro. Der Einbau einer Lüftungsanlage wird über die KfW (Kreditanstalt für Wiederaufbau) mit einem Zuschuss staatlich gefördert.

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Im Altbau sind zentrale Anlagen schwieriger

Schwieriger umzusetzen, aber doch machbar ist eine zentrale Lüftungsanlage in einem Altbau. "Dort ist die Luftzu- und abfuhr an einer geeigneten Stelle in der Fassade zu platzieren", erläutert Barbara Kaiser vom Bundesindustrieverband Haus-, Energie- und Umwelttechnik (BDH) in Köln. "Die Luftkanäle lassen sich diskret unter einer abgehängten Decke verstecken."

Für sanierte und modernisierte Wohnungen bieten sich neben zentralen auch dezentrale Lüftungssysteme an, die raumweise in einzelnen Zimmern über Kernbohrungen in der Fassade, etwa ober- oder unterhalb der Fenster, installiert werden. Ihr Nachteil ist, dass sie immer nur einen einzelnen Raum lüften. Oft sind diese Anlagen laut Dick auch im Hintergrund zu hören, was insbesondere im Schlafzimmer stören kann. Diese Anlagen kosten nach Angaben des Experten zwischen 200 und 1000 Euro.

Mit Wärmerückgewinnung Heizkosten sparen

"Besonders effizient sind Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung, da sie die Wärme aus der verbrauchten Luft an die frische kalte Luft weitergeben", erklärt Stolte. Es gibt diesen Effekt bei zentralen und dezentralen Varianten. Wenn die Abluft durch die Anlage strömt, passiert sie einen Wärmetauscher, der die vorhandene Wärme aufnimmt. Damit heizt das Gerät die von außen angesogene kalte Frischluft vor und leitet sie erst dann in das Haus. "Mit dieser Technik lassen sich 30 bis 50 Prozent Heizenergie sparen", erklärt Kaiser. "Hier unterscheidet man nach Zulufträumen wie Schlaf- und Arbeitszimmer und Räumen, in denen viel feuchte Luft entsteht, die abtransportiert werden muss." Solche Ablufträume sind zum Beispiel Küche und Bad. Eine zentrale Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung kostet laut Dick für ein Einfamilienhaus etwa 8000 Euro.

Vor- und Nachteile von Lüftungsanlagen

Die Vorteile von Lüftungsanlagen liegen auf der Hand: Man verbessert das Raumklima, ohne regelmäßig die Fenster öffnen zu müssen. Das hat zusätzlich den positiven Nebeneffekt, dass Straßenlärm und Abgase draußen bleiben. Auch Einbrechern bietet sich seltener die Gelegenheit, durch geöffnete oder gekippte Fenster in das Haus einzusteigen. Allerdings sollte man seine Lüftungsanlage regelmäßig warten. Zumindest der Filter muss zwei- bis viermal im Jahr gereinigt oder ausgetauscht werden. Das können die Nutzer nach einer Einweisung selbst erledigen. Alle zwei Jahre ist zusätzlich ein Routinecheck vom Fachmann angebracht.

Lüftungsanlagen nicht vorgeschrieben, aber sinnvoll

Eine Lüftungsanlage sei bei energiesparenden Neubauten und sanierten Gebäuden nicht zwingend vorgeschrieben, sagt Alexander Speer von der HEA - Fachgemeinschaft für effiziente Energieanwendung in Berlin. Doch die Verordnung DIN 1946-6 sieht seit 2009 bei Neubauten immerhin ein Lüftungskonzept vor. Das bedeutet, dass der Architekt oder ein Energieberater den Bewohnern eine Handlungsanleitung gibt, wie das Haus belüftet wird – von Hand oder mit einer Anlage. Auch bei älteren Einfamilienhäusern müsse ein solches Konzept erstellt werden, wenn man mehr als ein Drittel der vorhandenen Fenster oder der Dachfläche erneuert, sagt Speer.

Für das Lüftungskonzept ermittelt ein Planer, wie viel Luft durch Infiltration in das Gebäude gelangt. Je stärker das Gebäude gedämmt ist, umso geringer ist der Wert. Danach wird berechnet, welche Lüftungstechnik erforderlich ist, um die Vorschriften einzuhalten.

Diese Maßnahmen müssen nicht immer mit großem Aufwand verbunden sein: "Es gibt zum Beispiel passive Lüftungssysteme, die einfach aus einer kleinen Öffnung an der Wand bestehen", erklärt Friedrichs. "In dieser ist eine Klappe angebracht, die sich bei starkem Wind und Regen von außen selbst schließt. Ansonsten steht sie offen, und die frische Luft strömt durch das Loch ins Haus." Die Öffnungen können sehr dezent in Fensterbänken liegen, so dass sie gar nicht zu sehen sind. Das Öffnen und Schließen der Fenster per Hand fällt aber nicht unter die zugelassenen lüftungstechnischen Maßnahmen, denn das ist nicht nutzerunabhängig – wie vorgeschrieben.

Quelle: dpa-tmn

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