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Kletterpflanzen an der Fassade: Nicht jede Mauer geeignet

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Kletterpflanzen - Baumeister der Natur

16.09.2011, 15:33 Uhr | Dorothée Waechter

Die Fassadenbegrünung sollte professionell geplant werden. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Die Fassadenbegrünung sollte professionell geplant werden. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)

Kletterpflanzen sind die Baumeister der Natur. Durch ihr rasantes Wachstum eignen sie sich beispielsweise prima als dekorative Begrünung einer Sichtschutzwand im Garten. Andere Arten sind ideal, um mit ihnen die Fassade zu begrünen. Willkommener Nebeneffekt: Die Pflanzen halten einen Teil der Sonnenstrahlung von der Hauswand fern, so dass sich das Gebäude im Sommer nicht so stark aufheizt. Allerdings darf man mit der Fassadenbegrünung nicht einfach loslegen. Wer beim Planen Fehler macht, riskiert massive Schäden an der Hauswand.

Soll eine Wand rasch begrünt werden, leisten Kletterpflanzen gute Dienste. Die Pflanzen mit ihren lianenartigen Trieben spenden an einer Pergola Schatten, schaffen sommerliche Blütenpracht am maroden Baumstamm oder dekorieren die ansonsten graue Hausfassade.

Eine Pflanze kann ein dreistöckiges Haus begrünen

Zwischen zwei und sieben Meter können sich Kletterpflanzen in die Höhe schlingen. "Ein einziger Wilder Wein kann im Laufe der Jahre ein dreistöckiges Haus dicht begrünen", sagt Robert Markley, Geschäftsführer des Verbandes der Gartenbaumschulen im nordrhein-westfälischen Haan.

Die richtigen Kletterhilfen

"Man unterscheidet zwischen den Gerüstkletterpflanzen und den Selbstklimmern", erläutert Stefan Brandhorst von der Fachvereinigung Bauwerksbegrünung in Saarbrücken. Zu den Gerüstkletterpflanzen zählen Schlinger, Ranker und Spreizklimmer. In der Natur finden sie meist Halt an anderen Pflanzen. Je nach Gattung bevorzugen die Pflanzen verschiedene Kletterhilfen.

"Schlingpflanzen wie der Blauregen umschlingen Seile oder Stäbe mit einem Durchmesser zwischen 0,5 und 5 Zentimetern", so Brandhorst. Die Kletterhilfen sollten außerdem möglichst vertikale Strukturen aufweisen, erklärt der Experte. Spreizklimmer wie Kletter- und Rankrosen bevorzugen Kletterhilfen mit waagerecht verlaufenden Strukturen, in denen sie mit ihren Dornen und Stacheln guten Halt finden.

"Für Ranker sind gitterartige Kletterhilfen ideal. Bei den Clematis wird durch einen Berührungsreiz der Blattstiel umgeformt", erklärt Brandhorst. Sprossranker, zu denen beispielsweise der Wein zählt, bilden aus einem Spross eine Ranke. Haftscheibenranker wie der Wilde Wein lassen veränderte Sprossen wachsen, die sich an den rauen Untergrund heften können.

Efeu "haftet" ohne Hilfe an der Mauer

"Wurzelkletterer wie Efeu und Kletterhortensie bilden an den jungen Trieben Haftwurzeln, mit denen sie sich am Mauerwerk oder an einer rauen Borke halten können", sagt Gärtnermeister Brandhorst. Das Besondere: Die Triebe wachsen nicht zum Licht, sondern zur von der Sonne abgewandten Seite hin - zu einer Mauer oder einem Stamm - und suchen dort Halt. "Dabei wachsen sie gerne in Fugen und Risse."

Gute Kletterpflanzen für die Hauswand

Somit sind Wurzelkletterer besonders gut zur Fassadenbegrünung geeignet. Vor allem der Klassiker unter den Kletterpflanzen - das Efeu - wird von Markley empfohlen, weil es mit dichtem, immergrünem Blattwerk wächst und dabei außerordentlich robust ist.

Wer mit der Fassadenbegrünung kleine Schönheitsfehler an der Hauswand kaschieren möchte, dem empfiehlt der Experte eine andere Pflanze: "Knöterich wird im Volksmund auch Architektentrost genannt, weil er sehr schnell kleinere bauliche Mängel unter seinem dichten Blätterkleid verdeckt. Allerdings muss man wissen, dass die Pflanzen nicht aufhören zu wachsen." Sie müssten daher regelmäßig zurückgeschnitten werden.

Kletterpflanzen sind lebende Klimaanlagen

Eine begrünte Fassade kann auch ein ökologischer und preiswerter Sonnenschutz sein. Die Grünpflanzen hielten einen Teil der Sonneneinstrahlung ab, erklärt der Eigentümerverband "Haus & Grund" in Berlin. Dadurch, dass das Mauerwerk vor direkter Sonnenstrahlung geschützt ist, heizt sich das Gebäude insgesamt nicht so auf und im Hausinnern herrscht ein angenehmeres Raumklima, als es bei einer nicht begrünten Fassade der Fall wäre.

Die Fassadenbegrünung vom Profi planen lassen

Wer eine Fassadenbegrünung plant, sollte allerdings vorher das Mauerwerk von einem Fachmann überprüfen lassen. "Der Putz muss intakt sein", mahnt Stefan Brandhorst. So bräuchten Selbstklimmer entweder einen mineralischen Putz oder einen nicht ganz frischen Beton als Unterlage.

Außerdem muss unbedingt ein Profi die Last der Pflanze berechnen. Auf dieser Grundlage werden dann die Anker und ein stabiles Ranksystem ausgewählt und montiert. Es ist extrem wichtig, dass diese Berechnungen und Installationsarbeiten von einem Fachmann durchgeführt werden. "Anderenfalls kann die Last zu groß und die Verankerung aus der Fassade gerissen oder die Kletterhilfe beschädigt werden." Die dadurch entstehenden Schäden können die Kosten für die Installation der Kletterhilfe um ein Vielfaches übersteigen.

Der richtige Standort für Kletterpflanzen

Ursprünglich sind Kletterpflanzen in Auen und Wäldern beheimatet. "Daher brauchen sie einen frischen, humusreichen Boden, der tiefgründig ist", empfiehlt Experte Brandhorst. Der geeignete Standort variiert je nach Gattung. Für sonnige Plätze empfiehlt Brandhorst die Zier-Kiwi mit ihrer rosafarbenen Blattspitze und gelb blühende Waldreben. "Für schattige Plätze eignen sich die Alpen-Waldrebe und das Trompeten-Geißblatt." Die Duftrebe, Wilder Wein und die Spalthortensie vertragen sowohl Sonne als auch Schatten. 

Der Wind ist ein entscheidender Faktor für das Wachstum, denn er zieht mit großer Stärke um die Hausecken - das beeinträchtige das Pflanzenwachstum, erläutert Gärtnermeister Brandhorst. Vor allem mit zunehmender Höhe wirkten die Kräfte stärker. Daher sollten Kletterpflanzen nicht an diesen exponierten Stellen in die Höhe gezogen werden, sondern sich von der Wandmitte aus entwickeln.

Quelle: dpa-tmn

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