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Eigenleistung beim Bauen: Mit Muskelhypothek Baukosten senken

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Eigenleistung beim Hausbau richtig einschätzen

Autor: Monika Hillemacher; rw

Eigenleistung beim Bauen: Viele überschätzen den Wert der Muskelhypothek. (Quelle: imago\Chromorange)

Eigenleistung beim Bauen: Viele überschätzen den Wert der Muskelhypothek. (Quelle: Chromorange/imago)

Ein eigenes Haus zu bauen, ist nach wie vor für viele Menschen ein Lebenstraum. Aktuell sind die Zeiten dafür günstig. Schließlich sind die Zinsen für die Baufinanzierung schon seit geraumer Zeit auf konstant niedrigem Niveau. Um die Baukosten möglichst gering zu halten, setzen viele Bauherren auf die eigene Muskelkraft und wollen viele Arbeiten auf der Baustelle selbst erledigen. Das ist allerdings riskant. Viele Häuslebauer überschätzen sich dabei. Bei manchen Arbeiten droht sogar Ärger mit dem Gesetz: Was Sie zur Eigenleistung beim Bauen wissen sollten.

Zwischen 10.000 und 25.000 Euro könne man beim Bau eines Einfamilienhauses sparen, indem man anfallende Arbeiten selber durchführt. Das geht aus Berechnungen des Bauherrenschutzbundes hervor. Die Kehrseite dieser "Muskelhypothek": Für Einsparungen solcher Größenordnung müsse man mehrere hundert Stunden auf der Baustelle malochen – neben dem eigentlichen Job und all den anderen Alltagsverpflichtungen. Das schaffen nur die wenigsten. Viele überschätzen in der Kalkulation der Baukosten deshalb den Anteil der Eigenleistung. Das kann sich später übel rächen und die gesamt Baufinanzierung über den Haufen werfen.

Eigenleistung beim Hausbau bloß nicht überschätzen

Viele Bauherren tappen bei der so genannten Muskelhypothek in die Falle. Selbstüberschätzung rächt sich bitter. Video

Eigenleistung beim Hausbau oft überschätzt

Es sind vor allem zwei Gründe, die dazu führen, dass die vor Baubeginn kalkulierte Eigenleistungen in der Bauphase dann doch nicht erbracht werden können: Zum einen braucht ein Laie für Arbeiten am Bau nach Schätzung von Experten zehnmal länger als ein Profi-Handwerker. Zum anderen muss nach Feierabend und am Wochenende geschuftet werden. Hinzu kommt noch die ohnehin anfallende Bauorganisation, die allein schon viele Bauherren an den Rand ihrer nervlichen Belastbarkeit treibt.

Die ganze Familie muss beim Hausbau mit Eigenleistung mitziehen

Klappen kann das nur, wenn in der Familie alle mitziehen. "Klare Absprachen treffen und einhalten", empfiehlt Eva Reinhold-Postina vom Verband Privater Bauherren (VPB) in Berlin. Paare sollten sich rechtzeitig Gedanken über die Organisation des familiären Alltags machen, wenn einer der beiden Elternteile dadurch ausfällt, dass er beinahe die komplette Freizeit auf der Baustelle verbringt.

Wer übernimmt die Kinderbetreuung in dieser Zeit? Wer fährt den Nachwuchs zum Sporttraining oder Musikunterricht? Versäumt man es, diese Fragen schon vor Baubeginn zu klären, droht während der ohnehin belastenden Bauphase auch noch Familienzwist. Nicht selten heiße es dann "Haus fertig, Ehe fertig", weiß VPB-Expertin Reinhold-Postina.

Gute Arbeiten für die Eigenleistung beim Hausbau

Angehende Hausbesitzer sollten ihre Fähigkeiten richtig einschätzen. Damit schützen sie nicht nur sich selbst, sondern haben auch bessere Karten bei der Bank. Die Geldinstitute klopfen nach den Erfahrungen von Axel Drückler von der Verbraucherzentrale Mecklenburg-Vorpommern die Vorstellungen der Bauherren genau ab. "Wer den Rohbau in Eigenleistung errichten will, muss darlegen, wie das passieren soll", erläutert der Fachberater.

Tätigkeiten wie Klempnern trauten die Geldgeber einem Laien nicht ohne weiteres zu. Sind Bruder oder Schwager vom Fach, überzeuge das schon eher. Generell würden die Banken Arbeiten, die keine besonderen Kenntnisse erfordern, meist ohne Nachfrage anerkennen. "Tapezieren kann jeder", so Drückler, und weil auch Streichen oder Boden verlegen als vergleichsweise unproblematisch gelten, gehörten diese ebenfalls zu den typischen Eigenleistungen. Auch Gartenarbeiten bergen hohes Sparpotenzial.

Haftungsrisiken durch Eigenleitung

Lieber die Finger lassen sollte man aus Sicherheitsgründen von allen Arbeiten an der Statik, sowie an den Anschlüssen und Leitungen für Strom und Wasser. "Wer beispielsweise die Elektroleitungen im Haus selbst verlegt und kein qualifizierter Elektriker ist, der muss mit Ärger rechnen, wenn es wegen der vom Laien verlegten Leitungen zum Brand kommt", warnt der VPB. "Die Versicherung wird dann wahrscheinlich nicht zahlen wollen." Solche Arbeiten überlässt man also besser dem Fachmann, was zum Teil – etwa bei der Installation eines Starkstromanschlusses – sogar gesetzlich vorgeschrieben ist.

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Den Wert der Eigenleistung richtig berechnen

Es gibt verschiedene Methoden, den Wert der Eigenleistung zu kalkulieren. Verbraucherschützer Drückler vergleicht die selbst erbrachte Leistung mit der eines Handwerkers: "Der Fliesenleger verlangt 5000 Euro. Wenn davon sind 3000 Euro Arbeitskosten sind, lege ich die zugrunde." Eva Reinhold-Postina berücksichtigt lieber den Gesamtaufwand: Der eingesparten Arbeitszeit für den Fachmann stellt sie also die anfallenden Kosten für Fahrten, Material- und Gerätebeschaffung sowie mögliche Leihgebühren für Werkzeug gegenüber.

Eigenleistung beim Hausbau nicht durch Schwarzarbeit erbringen

Ob ein hoher Anteil an Eigenleistung sinnvoll ist, hängt auch davon ab, wer die Arbeiten durchführen soll. Für die Bezahlung von helfenden Freunden und Verwandten setzt der Gesetzgeber strenge Grenzen. Die Schwelle zur Schwarzarbeit ist schnell erreicht. "Schon mit 500 Euro sind Sie dicke drin", sagt der Münchner Rechtsanwalt Peter Oppler, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft für Bau- und Immobilienrecht im Deutschen Anwaltverein.

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Auf Nachsicht können Bauherren hier nicht hoffen - der Fiskus "zeigt eher Tendenz zur Strenge denn zur Nachsicht", berichtet Oppler von seinen Erfahrungen. Private Bauherren sind außerdem generell verpflichtet, ihre Helfer bei der Berufsgenossenschaft Bau gegen Unfälle abzusichern. Außerdem müssen sie für den Arbeitsschutz sorgen. Wer dies unterlässt, kann bestraft werden und muss bei einem Unfall haften.

Eigenleistung beim Hausbau termingerecht erbringen

Doch nicht nur durch nicht versicherte Bauhelfer können sich Bauherren mit hohem Anteil an Eigenleistungen in Schwierigkeiten bringen. Auf einer Baustelle sind die unterschiedlichsten Gewerke beschäftigt. Der Heizungsmonteur kann beispielsweise erst dann den neuen Heizkessel einbauen, wenn der Estrich fachgerecht gefliest ist. Erbringt der Bauherr seine kalkulierten Eigenleistungen nicht zum vereinbarten Termin oder weist seine Arbeit Mängel auf, kann er schadenersatzpflichtig werden.

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Damit ist zu rechnen, "wenn ich Dinge mache, die andere Gewerke beeinflussen", sagt Rechtsexperte Oppler. Etwa, wenn der Fliesenleger wegen eines falsch oder zu spät gelegten Estrichs seine Arbeit erst später oder gar nicht aufnehmen kann. Fachleute seien verpflichtet, vor Beginn ihrer Arbeit die Leistung anderer zu prüfen – auch solche, die ein Privatmann erbracht hat, erklärt der Fachjurist.

Eigenleistung kann Einfluss auf Gewährleistungsansprüche haben

Wichtig ist also, Abläufe und Termine erst mit der Baufirma und allen am Bau beteiligten Handwerkern zu besprechen und dann auch einzuhalten. "Dann weiß jede Seite, was sie wann zu tun und zu lassen hat", sagt Axel Drückler. Unter Umständen riskiert der angehende Hausherr durch erbrachte Eigenleistungen sogar seine Gewährleistungsansprüche.

Wenn nach einem Jahr Anzeichen für Baupfusch auftreten und zum Beispiel der Putz von den Wänden blättert, wird man sich der Frage ausgesetzt sehen, was die Ursache für die Mängel ist: nicht fachgerechte Eigenleistung oder Fehler der Baufirma? Falls die Schuld dann nicht mehr eindeutig zu klären ist, bleibt man schnell auf den Kosten sitzen.

Eigenleistung beim Ausbauhaus

Ein Sonderfall sind so genannte Ausbauhäuser. Viele Bauträger bieten für ihre Häuser verschiedene Ausbaustufen an. Je weniger ein Gebäude im Inneren ausgebaut ist, desto günstiger wird es angeboten. Häuslebauer lassen sich von den niedrigen Preisen blenden. "Die paar Böden und Leitungen sind doch ruckzuck verlegt", denkt sich der versierte Heimwerker dann und schlägt zu.

Auch bei Ausbauhäusern gilt es aber, genau zu prüfen, welche Arbeiten noch auf einen zukommen werden, wie viel Zeit diese in Anspruch nehmen werden und mit welchen Kosten sie verbunden sind. Material und eventuell auch Werkzeug müssen angeschafft und bezahlt werden. Schnell entpuppt sich das vermeintliche Schnäppchen dann als ziemlich teure und vor allem ungeheuer aufwändige und stressige Bau-Variante.

Anteil der Eigenleistung von Beginn an zurückhaltend kalkulieren

Am besten zügelt man sich also schon zu Beginn des gesamten Bauvorhabens, wenn man noch bei der Berechnung sämtlicher Baukosten ist, und kalkuliert den Anteil der Eigenleistung nicht sonderlich hoch. Die meisten Häuslebauer überschätzen sowohl ihre handwerklichen Fähigkeiten, als auch die zeitliche und nervliche Belastung. Wenn dann in der eigentlichen Bauphase die jeweilige Eigenleistung zu erbringen wäre, schludern sie entweder oder beauftragen doch den Fachhandwerker. Die folgenden Kosten können leicht jede Baufinanzierung sprengen.

Quelle: dpa, zuhause.de

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