Autor: Karin Henjes
Biergläser: Form und Stärke des Bierglases beeinflussen den Geschmack des Bieres. (Quelle: Thinkstock by Getty-Images)
Biergläser gibt es in den verschiedensten Glasformen. Ins Weizenglas kommt Weißbier, die Tulpe ist fürs Pils und Kölsch wird in der Stange ausgeschenkt. Sind diese Biergläser und ihre Bestimmung den meisten noch bekannt, sieht dies bei manch einem anderen Bierkrug schon völlig anders aus. Welches Bier zum Beispiel trinkt man aus dem Stößchen? Die wichtigsten Biergläser und wie der Bierkrug den Geschmack beeinflusst.
"Bier besteht im Wesentlichen aus Hopfen, Malz, Wasser und Hefe", erklärt Sylvia Kopp*, Biersommelière aus Berlin. "Die enorme Geschmacksvielfalt, die dieser feine Stoff vorweisen kann, speist sich aus rund 200 Hopfensorten, 1000 Hefearten und gut zwei Dutzend Malszsorten."
Für die passionierte Bier-Expertin ist eines klar: Ebenso wie guter Wein will auch Bier im richtigen Glas serviert werden. Um aus Pils, Weizen und Export den maximalen Biergenuss heraus zu kitzeln, spielt die Beschaffenheit des Bierglases eine nicht zu unterschätzende Rolle.
"Wenn es um die Glaswahl geht, muss man grundsätzlich zwei Sorten Bier unterscheiden", erklärt Kopp. "Es gibt das untergärige, kalt vergorene und das obergärige, im Warmen vergorene Bier. Für untergärige Biere, die weniger Kohlensäure haben, eignen sich Gläser, die sich nach oben hin verjüngen und Aroma konzentrieren – zum Beispiel die klassische Tulpe fürs Pils.
Obergärige Biere, wie zum Beispiel Weißbiere, sind hingegen sehr kohlensäurehaltig. Für sie empfiehlt sich ein Glas, das sich nach oben hin öffnet, was die Verteilung der prickelnden Perlen begünstigt."
Die Stärke des Glases ist ebenfalls entscheidend für das Geschmackserlebnis. Das betont auch Markus del Monego, Weinkenner, Sommelier-Weltmeister 1998 und Kooperationspartner des Trinkglasherstellers Sahm. Im Interview mit der Fachzeitschrift Brauindustrie konkretisiert der Genussexperte aus Essen: "Bei einem dicken Glas entsteht der Eindruck eines schweren, rustikalen Getränks. Je dünner das Glas, desto eleganter und differenzierter schmeckt das Bier."
Auch wenn die traditionellen Bierglasformen durchaus ihre Berechtigung haben und nach wie vor am weitesten verbreitet sind: Wer Bier auf ganz neue Art genießen will, hat heute viel mehr Möglichkeiten als noch vor wenigen Jahren.
Braumeister Hannes Schulters von der Fränkischen Bierakademie in Bamberg empfiehlt Bierkennern, ruhig einmal auf einen Bierkrug umzusteigen, der nicht aus Glas gefertigt ist. "Trinkgefäße aus einem anderen Material als Glas wirken auch anders auf die Sinne", so der Bier-Experte. "Probieren Sie es doch einmal mit Holz oder Steingut."
Biersommelière Sylvia Kopp allerdings widerspricht. Für sie ist Bier aus einem Steinkrug ein absolutes Tabu. "Da können Sie auch gleich Kamillentee trinken", so das verächtliche Urteil der Bierkennerin. "Dank des dicken Rands ist der Weg vom Bier bis zum Gaumen viel zu weit."
Im Rahmen ihrer Bierverkostungen greift die Wahlberlinerin deshalb gern zu Produkten, die sich auch bei Weinverköstigungen bewährt haben. "Für ein Pils lässt sich ein Champagnerkelch empfehlen", rät Kopp. "Und wie wäre es damit, sich eine Flasche Weißbier zu teilen und bewusst zu genießen? Im Burgunderglas schmeckt das ganz wunderbar." Lust bekommen? Dann nichts wie ran an die Gläser! Die wichtigsten Biergläser und ihre geschmacklichen Eigenschaften haben wir in der Foto-Show für Sie zusammengestellt.
*Zur Homepage von Biersommelière Sylvia Kopp geht es hier.
Quelle: zuhause.de
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