Autor: rev
Die Stiche von Bettwanzen können unangenehme Folgen für Betroffene haben. (Quelle: blickwinkel/imago)
Sie sind ausgewachsen fünf bis neun Millimeter groß, haben sechs Beine, vermehren sich schnell und sie saugen mit Vorliebe Menschenblut: Bettwanzen. Aufgrund ihrer Größe leben die fiesen Parasiten oftmals lange Zeit unentdeckt in den eigenen vier Wänden – bis sie schließlich durch juckende Hautentzündungen äußerst unangenehm auf sich aufmerksam machen. Doch so weit muss es nicht kommen. Mit diesen Tipps gegen Bettwanzen können Sie sich gegen den Befall wappnen.
Durch die leichte Verfügbarkeit und Anwendung von hochwirksamen Insektiziden waren Bettwanzen nach dem Zweiten Weltkrieg in der westlichen Welt kaum noch ein Thema. Im Laufe der 90er Jahre nahm jedoch der Befall wieder deutlich zu - und zwar nicht nur in Hotels und Herbergen, sondern auch in privaten Wohnungen.
Die Gründe dafür sind die erhöhte Mobilität der Menschen, der nationale und internationale Handel - vor allem der mit Gebrauchtwagen -, die Verbote einiger Wirkstoffe sowie die Resistenz, die Bettwanzen gegenüber anderen Wirkstoffen in den letzten Jahrzehnten entwickelt haben. Umso wichtiger ist es, sich dem lästigen Problem bewusst zu sein und entsprechend vorzusorgen.
Bettwanzen sind nachtaktiv und treten hauptsächlich in bewohnten und geschlossenen Räumen auf. In ihren Ruhephasen verstecken sie sich besonders gerne in Betten und Sofas, hinter Bildern, abstehenden Tapetenrändern, Scheuerleisten, Lichtschaltern, Möbelfugen und diversen Ritzen und Spalten. Aber auch Jalousienkästen oder Gardinenvorrichtungen sind beispielsweise beliebte Aufenthaltsorte der Schädlinge, wie das Umweltbundesamt (UBA) erklärt. In diesen Verstecken legen die Bettwanzen auch ihre Eier ab.
Zu einem Abwandern in andere Räume kommt es nur, wenn keine Nahrungsquelle mehr vorhanden ist. Doch das UBA warnt: Bettwanzen sind in der Lage mehrere Monate zu hungern. Deshalb können auch Räume, die längere Zeit unbewohnt waren und nicht fachgerecht saniert wurden, mit den Wanzen befallen sein.
Verbreitet werden Bettwanzen sehr oft durch den Kauf alter und gebrauchter Gegenstände wie Möbel, Spiegel, Bilder oder Wandteppiche. Aber auch Auslandsreisen stellen ein hohes Risiko dar. So können sich Bettwanzen im Reisegepäck verbergen und auf diesem Weg in die Wohnung geraten, wo sie sich weiter vermehren. Zudem sind Vogelnester wahre Brutstätten von Bettwanzen. Da sie Häuserwände entlang krabbeln können, kann es geschehen, dass sie von einem Nest oder auch von einem von Haustauben bewohnten Dachboden aus in die Wohnung gelangen können.
Ein Bettwanzenbefall kann für Betroffene enorm lästig werden. Die Wanzen ernähren sich ausschließlich von Blut und der nächtliche Akt des Blutsaugens dauert fünf bis zehn Minuten. Der Stich bleibt meistens unbemerkt, da der Speichel der Bettwanzen eine betäubende Wirkung hat. Allerdings ist es auch jener Speichel, der beim Menschen den bis zu zehn Tage anhaltenden Juckreiz auslöst. An der Stichstelle entstehen meist kleine, rötliche Quaddeln. Es kann jedoch auch zu komplexeren Hautreaktionen oder allergischen Reaktionen wie Asthmaanfällen oder Nesselsucht kommen. In seltenen Fällen ist sogar ein lebensgefährlicher anaphylaktischer Schock möglich, bei dem es zu starkem Blutdruckabfall kommt, wie das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) 2011 auf einer Veranstaltung warnte.
Als Überträger von Krankheitserregern kommen Bettwanzen allerdings nicht in Frage. Theoretisch können sie zwar zum Beispiel mit dem Hepatitis-B-Virus infiziert werden und die Erreger auch übertragen, eine solche Überträgerfunktion konnte bisher jedoch nicht außerhalb von Laborexperimenten festgestellt werden, so das BfR. Durch das Kratzen an den Stichstellen sind Sekundärinfektionen aber nicht ausgeschlossen.
Damit man sich am besten gar nicht mit den Folgen eines Bettwanzenbefalls auseinandersetzen muss, sollten vorbeugende Maßnahmen getroffen werden. Unter anderem sollten Käufe auf Flohmärkten, in Antiquitätenläden, aber auch auf Ebay nur mit Vorsicht getätigt werden. Die gebrauchten Möbel, Teppiche oder Kleidungsstücke sollten in jedem Fall gründlich inspiziert werden.
Bei Textilien kann eine Reinigung mit heißem Wasser zusätzlich Sicherheit bieten. Darüber hinaus ist es beim Übernachten in Hotels, Ferienwohnungen, Herbergen oder Pensionen empfehlenswert, das Gepäck nicht in der Nähe des Bettes zu platzieren. Die Taschen und Koffer sollten auch immer geschlossen sein, um den Bettwanzen das Hineinkrabbeln zu erschweren.
Doch selbst wenn man sich an die wichtigsten Vorkehrungen hält, ist ein Bettwanzenbefall nicht ganz auszuschließen. Anzeichen für einen solchen sind zum einen natürlich die Stiche selbst. Allerdings werden die auch gerne mit den Stichen anderer Parasiten verwechselt. Es ist aus diesem Grund wichtig, zum anderen noch auf kleine schwarze Punkte zu achten, die um potenzielle Verstecke auftauchen könnten. Dabei handelt es sich um Kotflecken der Bettwanzen. Charakteristisch ist laut UBA außerdem ein penetrant süßlicher Geruch, den die Tierchen über so genannte "Stinkdrüsen" absondern.
Wurde ein Bettwanzenbefall festgestellt, muss unverzüglich gehandelt werden: Gegenstände, die eindeutig befallen sind, sollten aus der Wohnung entfernt werden. Vorher packt man sie aber am besten in einen sicheren Plastiksack, den man anschließend gut zuklebt. So soll verhindert werden, dass die Bettwanzen auf andere Gegenstände, Kleidung und somit Wohnungen übergehen.
Das reicht aber natürlich nicht aus, um betroffene Räume vollständig von Bettwanzen zu befreien. Damit das gelingt, muss zwingend ein geprüfter Schädlingsbekämpfer herangezogen werden. Das UBA warnt davor, die Bekämpfungsmaßnahmen als Laie selbst durchzuführen.
Durch den unsachgemäßen Einsatz von Pestiziden, deren Einsatz zur Bekämpfung von Bettwanzen nahezu unvermeidlich ist, könne es zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen kommen. Zudem kann der Kammerjäger in der Regel noch weitere Tipps zur Vorsorge geben und erläutern, wann die mit Insektiziden behandelten Räume wieder genutzt werden können. Schädlingsbekämpfer in ihrer Nähe finden Betroffene zum Beispiel auf den Internetseiten des Deutschen Schädlingsbekämpfer Verbands.
Sollten die Betroffenen eine Schädlingsbekämpfung mit Insektiziden strikt ablehnen, ist es alternativ möglich, die Bettwanzen mit hohen beziehungsweise sehr kalten Temperaturen auszumerzen. Mithilfe von Spezialöfen lassen sich Räume auf 50 bis 60 Grad Celsius aufheizen und so innerhalb von kaum 30 Minuten die Parasiten einschließlich ihrer Eier abtöten.
Kleinere befallene Gegenstände wie Bücher, CDs oder Bilderrahmen können außerdem mehrere Tage bei -18 Grad Celsius eingefroren werden. Diese Frostbehandlung tötet ebenfalls die Schädlinge und ihre Eier, bestätigt das UBA.
Oft ist es nötig, dass der Schädlingsbekämpfer mehrere Behandlungen der befallenen Räume durchführen muss, bis er die Maßnahmen endgültig und erfolgreich abschließen kann. Ist das geschehen, sollten die Betroffenen trotzdem immer wieder Kontrollen auf Bettwanzen durchführen, damit sie schnell Gegenmaßnahmen ergreifen können, sollten sie einen erneuten Befall feststellen.
Quelle: zuhause.de
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